Tierschutzstation

Über Alexa & Co
oder
Was kreucht und fleucht denn da in Biedesheim ?


Zwei große braune Augen schauen geheimnisvoll und aufmerksam unter dem Landteil hervor. Man muss schon genau hinschauen, sonst könnte man annehmen, dass da ein Stück Moorholz im Wasser treibt. Doch weit gefehlt - die Besitzerin dieser schönen Augen ist Alexa, eine 120 cm lange Kaimandame, die eigentlich in Südamerika beheimatet ist. Dass sie nun ein artgemäßes Becken mit ca. 2700 Liter Wasser in Biedesheim bewohnt, befremdet heute leider nicht mehr so sehr wie noch vor 15 Jahren, als wir nicht nur die erste Tierschutzstation für Exoten, insbesondere Reptilien, ins Leben riefen, sondern auch begannen, politisch dafür einzutreten, dass Alexa und Co. nicht zu so genannten Heimtieren degradiert werden.

Heute sind die Umsatzzahlen der Heimtierbranche um das fünffache angewachsen, das Problem herrscht nicht mehr nur in Städten, auch in Dörfern gibt es Reptiliendiscounter und Zoohandlungen, in denen jeder alle möglichen Tiere käuflich erwerben kann, um sie sodann daheim auf irgendeine Art und Weise zu halten - zumeist zu Tode zu pflegen.

Unser Tierbestand, bestehend aus Wasser-, Sumpf-, Erd- und Landschildkröten, einem Kaiman, Leguanen, Agamen, einigen Schlangen, aber auch Papageien, Kleinsäugern wie Kaninchen, Chinchillas, drei Steinmarder, etliche Tauben, Krähen- und Singvögel, die nicht mehr ausgewildert werden können, einem Pfauenpaar, sieben Katzen und dreier Hunde - alle sind Tierschutztiere, also ehemalige Notfälle, zumeist aus schlechten Haltungsbedingungen, wurden aufgefunden oder einfach an uns abgegeben, z.B. weil das Interesse verflogen ist. Insgesamt leben bei uns rund 400 Tiere.

Auch einheimische Wildtiere gehören dazu, die verletzt, krank oder als Jungtiere aufgefunden wurden wie Igel, Füchse, Eichhörnchen, Siebenschläfer, ja sogar einmal eine Fledermaus.

Unsere Einrichtung war in früheren Jahren recht populär, regelmäßig waren wir in Presse, Funk und Fernsehen präsent und Tiere kamen mitunter aus dem gesamten Bundesgebiet zu uns. Als unsere Kapazitäten erschöpft waren, fassten wir den Entschluss, irgendwo auf dem Lande ein Objekt zu beziehen, das all unseren Tieren genügend Platz geben, und in dem wir eine auch technisch professionelle Tierhaltung einrichten können. Aber es gab auch noch einen anderen Grund für die Flucht aufs Land: Es galt, einen Weg zu finden, die hohen Abgabezahlen von Tieren zu unterbinden, was nur durch einen Umzug und Neuanfang möglich war.

Nach vielen Hausbesichtigungen wurden wir schließlich in Biedesheim fündig, unser Domizil erwies sich für unsere Zwecke als ideal und dank der wohlwollenden Unterstützung von Handwerksfirmen im Ort (zu nennen wären vor allem das Heizungs- und Sanitär- Unternehmen Beyer) gelang es, einen ehemaligen Getreidespeicher zu einer Tropenhalle umzubauen, in der 10.000 Liter Wasser unseren aquatilen Lebensformen zur Verfügung stehen, in der unsere Papageien, die früher alle tierwidrig einzeln gehalten wurden, gemeinsam in einer geräumigen Voliere zusammenleben und in der Land- und Erdschildkröten klimagerecht und komfortabel untergebracht sind.

Die Temperatur der Luft und des Wassers wird elektronisch reguliert. Inzwischen ist dort fast schon ein kleiner Urwald gewachsen. Im Erdgeschoß unseres Tierhauses leben die warmblütigen Tiere. Das gesamte Tierhaus verfügt über drei Klimazonen, die durch die Beachtung thermischer Gesetzmäßigkeiten ohne Trennwände möglich wurden.

Der geschlossene Innenhof erlaubt es uns, bestimmte Tiere frei herumlaufen zu lassen, wie vor allem unsere drei Hunde Lasko, Anka und Cora, die ebenfalls aus traurigen Verhältnissen stammen. Auch im Wohnhaus leben verschiedene Tiere, vor allem die Leguane und unser vier Meter langer Netzpython im dem Hauseingang vorgelagerten Wintergarten.

In der Tat haben wir hier ein Novum im bundesdeutschen Tierschutz geschaffen, das auch schon von Tierschutzfunktionären aus verschiedensten Teilen Deutschlands besucht wurde.

Gleichwohl ist es nicht unsere Absicht, durch allzu viel Öffentlichkeitsarbeit zu riskieren, dass sich die Abgabezahlen wieder erhöhen und unsere Kapazitäten wieder erschöpft sind, denn im Grunde betreiben wir hier ein „Endlager für lebenden Wohlstandsmüll“, denn wir bleiben auf diesen Tieren meistens sitzen. Es ist schon eine Gradwanderung: Auf der einen Seite müssen wir in unserer neuen Heimat Menschen gewinnen, die unsere Arbeit durch Spenden und Förderschaften finanzieren, auf der anderen Seite fürchten wir eine neue Tierschwemme.

Doch unsere Tierschutzstation ist nicht die einzige Aufgabe der AKT - AKTION KONSEQUENTER TIERSCHUTZ, sie ist lediglich die sichtbarste und kostspieligste.

Eine weitere Einrichtung ist die Erste Fachberatungsstelle für Tierschutz und Tierhaltung, (seit 1990) die Tierhalter, Tierschützer, Medien, pol. Parteien und Behörden berät bzw. früher besonders engagiert beraten hat. Politisches und öffentliches Engagement für Tierschutz, besonders durch die Aufbereitung neuer, fachlich aufwändiger Tierschutzthemen wie Wildtiere, Wechselwarme, Wirbellose, Tierpsyche etc. war und ist das Steckenpferd der AKT, wofür sie in entsprechenden Kreisen bekannt ist.

Es ist z.B. unser Verdienst, dass im Jahre 1994 die Delphinhaltung im Holidaypark in Haßloch abgeschafft wurde. Ebenso veranstalteten wir 1995 die Erste Demo für Fische in Europa im Schwarzwald vor einem Forellenmastbetrieb und machten erstmals auf das Elend der Kiemenatmer aufmerksam. Vorträge und Reden zu verschiedensten Themen, Teilnahme an polischen Meetings etc. gehörten zu unseren regelmäßigen Aufgaben.

Leider bedingen es die aktuellen Irrungen und Wirrungen auf nationaler und internationaler politischer Ebene, dass das Thema Tierschutz derzeit generell kaum noch in den Medien zu platzieren ist, ein Umstand, der von allen Tierschutzorganisationen beklagt wird, zumal die allgemeine Oberflächlichkeit der Gesellschaft von den Medien forciert und bedient wird.

Im Rahmen unseres Instituts für Mitweltethik befassen wir uns mit philosophischer Ethik bezüglich Tieren, Natur und seit nunmehr fünf Jahren geht es uns auch um Humanpsychologie- und soziologie unter dem Motto: „Wir befassen uns mit der Frage, wie aus dem Täter Mensch ein menschlich Tätiger werden kann“.

Die Entwicklung psychosozialer Konzepte zur Reintegration des Menschen in die Biosphäre ist dringend geboten. Die von uns so genannte Nuklearpsychologie vertritt die These, dass jeder Mensch einen genetisch verankerten psychischen Kern aufweist, aus dem heraus er individuell und gesellschaftlich gesunden, reifen, wachsen und mit seiner Mitwelt in eine harmonische Koexistenz eintreten kann.

„Eden ist das unentdeckte Land in uns“.

Von Anbeginn war es das Bestreben des AKT- Gründers, eine Organisation zu schaffen, die so ganzheitlich und integrativ wie möglich den Schutz des Lebens betreibt und propagiert.

Unsere Handlungsmotivation entspringt hierbei nicht etwa der viel zitierten „Tierliebe“, sondern es ist der Respekt und die Achtung vor jeder Form von Leben ganz im Sinne des Albert Schweitzer und seiner Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Wohl kaum jemanden kann es entgangen sein, dass wir globalweit auf äußerst schwierige Probleme politischer, ökologischer und gesellschaftlicher Art zusteuern, die nach neuen Lösungen verlangen. Hierzu möchten wir gemäß unseres Mottos: „Das Leben ist heilig, die Wahrheit Gesetz“ unseren Beitrag leisten und laden jeden dazu ein, uns hierbei finanziell, ideell, inhaltlich und praktisch zu unterstützen.

 (Februar 2007/ September 2009 - Peter H. Arras)

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