Jungtieraufzucht

Die Aufzucht von Jungtieren ist in der AKT- Tierschutzstation eine alljährliche Aufgabe, die zum allgemeinen Betrieb der Station noch "erschwerend" hinzukommt, zugleich aber immer wieder eine überaus verantwortungsvolle, zeitintensive und auch erfüllende Aufgabe darstellt. Wir ziehen neben diversen Vogelküken auch Säugetiere auf, wie z. B. Wildkaninchen, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Fledermaus, Mäuse, Spitzmäuse, Chinchilla, Igel, Marder, Iltis, Katzen und auch einmal einen Fuchs.
Vogelbabys sind oft Amseln, Sperlinge, Krähen, Elstern, einmal einen Specht und andere Arten. Allerdings ist die Vogelbabyaufzucht viel schwieriger als die von Säugetieren.
Reptilien schlüpfen bereits als "kleine Erwachsene", deren Haltung sich nur quantitativ von der erwachsener Exemplare unterscheidet.

Da wir oft nicht die Zeit aufbringen, den sozialbedürftigen Kindern auch genug Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu stiften, delegieren wir die Nany- Funktionen gerne an unsere Hündinnen.
Cora nahm sich der Füchsin Nelly an, Lupa, die leider 2004 verstarb, einem Marderkind.

"Emilio", eine männliche Lachtaube, wurde von uns 2009 künstlich aufgezogen. Er kam dann in unsere Wildvogelvoliere, in der er das Fliegen übte und mit Ringeltauben, Amseln und Sperlingen zusammen lebte.
Am 24. Juli ließen wir ihn frei. Bereits am 26. Juli kehrte er zurück und ging freiwillig in seine Voliere zurück.
Erst am 29. August zeigte er durch sein Verhalten, dass er wieder raus wollte, wir ließen ihn frei. Seither kommt er immer wieder zu seiner ehemaligen Voliere in unserem Innenhof, fast täglich - nun schon fast zwei Monate nach seiner Freilassung zurück - stets alleine.
Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, was aus den künstlich aufgezogenen Wildtieren nach ihrer Auswilderung wirklich wird, ob sie den Anschluss an ihre wilden Artgenossen wirklich finden und ob sie es schaffen, sich in "Freiheit" zu behaupten.
Dies besorgt uns immer wieder sehr, denn schließlich haben wir die Tiere nicht mühevoll aufgezogen, damit sie danach irgendwo ihr Ende finden, weil sie eben keine Eltern hatten, die sie auf ihr Leben in der "Wildbahn" bzw. Kultursteppe vorbereiteten.
Natürlich erhält unser Emilio sein Futter, das er stets sehr gierig aufpickt.


Aufzucht eines Steinmarders

Aufzucht eines Siebenschläfers

Unser Siebenschläfermädchen "Pipi" ist im Oktober 2009 in eine eigene Anlage ins Tiererdgeschoss umgezogen, in der das Jungtier klettern und springen kann. In dem hohlen Baum wohnt es und schaffte Leckerbissen vorrätig hinein - vor allem Esskastanien und Haselnüsse.

Aufzucht von vier neugeborenen Katzenbabys:

In einer kalten Oktobernacht 2007 wurden die vier Kätzchen von ihrer unerfahrenen Mutter unter ein Gebüsch geboren und sich selbst überlassen. Am nächsten Morgen vernahm eine Passantin ein leises Wehklagen, woraufhin wir ausrückten und die vier völlig unterkühlten Babys bargen - die Nabelschnüre waren noch feucht und durchblutet. Wider Erwarten bekamen wir alle durch.
Tiger, Gandalf, Julia und Puppy entwickelten sich großartig und leben heute in unserer Hochveranda- Katzenanlage.

Auf die Gemeinsamkeiten kommt es an! Zwischenarliche Freundschaften bei den AKT- Tieren - da können sich die Menschen ein Beispiel nehmen...

 

Nachruf auf eine kleine große Hundedame

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(Lupa mit Marderkind 'Fäh' 1998)

Am 21. November 2004 in den späten Abendstunden verließ uns LUPA, eine der engagiertesten, loyalsten und liebenswürdigsten Mitarbeiterinnen, die die AKT je hatte.

Und ich selbst verlor eine innige Freundin, auf die ich mich stets verlassen konnte und die mich und alle Menschen, die sie je kennenlernen durften, oft in unserem Menschsein beschämte. LUPA war ein Hund, ein Mittelschnauzer, doch ihr Verhalten verblüffte uns stets. Sie gab uns oft Grund, darüber nachzusinnen, ob nicht die ganze Verhaltensforschung, die Intelligenz jener Art mehr, der anderen weniger zusprach, völlig daneben liegt und es sich in Wahrheit doch ganz anders verhält. LUPA jedenfalls war ein gänzlich außergewöhnlicher Hund, ein Grenzgänger zwischen den Arten, oft weit menschlicher (im positiven Sinne) als die vielen Menschen, die sich wegen ihrer Artzugehörigkeit für etwas Besseres halten und doch tagtäglich in Puncto Menschentum versagen.

LUPA war dominant bis in die Haarspitzen, und sie wurde von allen, nicht nur von den Menschen, sondern auch von allen Hunden, die ihr je begegneten, geschätzt, respektiert und geachtet. Auch Tiere anderer Arten spürten die souveräne Aura dieser kleinen Salz- und Pfeffer- Schnauzerhündin, die einfach nicht anders konnte, als sich für alles zu interessieren und sich allen anzunehmen, egal ob es sich da um kleine Kaninchen, Chinchillas, Eichhörnchen, Elsternküken, Jungputen, Marderkinder, ein Kälbchen oder sonst irgendein Tier handelte.

LUPA war nie selbst Mutter, aber sie war Mutter für alle, die eine brauchten.

Gerade unser 2001 verstorbener Schäferhundrüde Timber, den ich aus dem Tierheim in Weimar herausgeholt hatte und der trotz seiner 12 Lebensjahre keine Ahnung davon hatte, was es heißt, ein richtiger Hund zu sein, hatte seiner Mentorin LUPA viel zu verdanken. Sie nahm sich seiner an, coachte ihn, wo immer es ging, und er liebte sie heiß und innig. Sie war seine Führerin und er folgte ihr, fast so, als sei er noch ein Welpe. Mit LUPA machte dem alten, schicksalsgebeutelten Hund das Leben so viel Spaß, dass er noch vier Jahre bei uns blieb, um dann als ganzer Kerl im Alter von 16 Jahren von uns zu gehen.

Und Cora natürlich, unsere Pitbull- Hündin, die wir 1999 einem Zuhälter abgeknöpft hatten und die psychisch völlig gestört gewesen war - auch sie wurde dank ihrer Pflegemutter LUPA ein ganzer Hund, lieb, sozial, gehorsam, sie konnte fast alle ihre Verhaltensstörungen im Laufe der Zeit überwinden und ist doch noch, wenn auch spät, erwachsen geworden. LUPA schuf durch ihre fürsorgliche, mal gütige, mal bestimmende Dominanz Cora ein Refugium, in der sie die Kindheit nachholen konnte, um die sie ihr Züchter und ihr ehemaliger Besitzer betrogen hatten.

Ich erinnere mich noch, es war 1997, als ich meinen Hund LUPUS wegen eines Lymphkrebses verlor - auch er ein außergewöhnlicher Hund, der mit allen Tieren und Menschen per Du war und der aus erbärmlichsten Verhältnissen in München stammte. LUPUS war tot und eigentlich wollte ich so bald keinen Hund mehr, als der Fall LUPA per Telefon an mich herangetragen wurde. Eine sechs Monate alte, hyperaktive, kaum zu bändigende Hündin, die in ihrem kurzen Leben schon drei Mal den Besitzer hatte wechseln müssen und die zuletzt in einem Lattenkeller eingesperrt worden war, weil die völlig überforderten Leute einfach nicht mit ihr zurecht kamen. Ich fuhr hin, man ließ sie aus ihrem Verließ, und sie setzte sich neben den Sessel, in dem ich Platz genommen hatte, um mit den Leuten zu reden. Ganz sachte schob sie ihren Kopf unter meine Handfläche, woraufhin ich sie anblickte.

Wenn ich ehrlich bin, war mir in diesem Moment schon klar, dass ich ihr verfallen bin, aber meine Vernunft weigerte sich noch. Zwar nahm ich sie sofort mit in die AKT- Station, gab sie aber am nächsten Tag einer befreundeten Tierarzthelferin mit der Bitte, LUPA gewissenhaft weiterzuvermitteln, denn ich musste damals auf ein wichtiges Tierschutzmeeting nach Hannover. Als ich zurückkam war LUPA noch nicht vermittelt und die Tierarzthelferin bat mich, sie wieder zurückzunehmen. Ich tat es und habe es zu keiner Zeit bereut, obwohl LUPA durchaus in ihrer Jugend sehr anstrengend war. Sie wusste einfach nicht, was sie mit ihrem Temperament anstellen sollte. Ich warf ihr bis zu 30 Mal den Stock in den Weiher, woraufhin sie ihn herausholte, doch müde war sie danach immer noch nicht. Es ist ja auch bei den Menschen so, dass spätere Genies in ihrer Kindheit zumeist umtriebig und nicht zu bändigen gewesen sind. Genauso war es bei LUPA.

Ich erinnere mich noch, als sie sich in eine Wiese setzte und trotz meines Rufens nicht daran dachte, zu mir zu kommen. Verärgert ging ich daraufhin zu ihr, wollte schon schimpfen, als ich die kleine verletzte Bachstelze vor ihr auf dem Boden liegen sah. LUPA wusste offensichtlich, dass ich den Vogel nur bemerken würde, wenn sie mich dazu brächte, zu ihr zu kommen. Es gäbe noch etliche andere verblüffende Beispiele, die rein gar nichts mit Vermenschlichung eines Tieres zu tun haben, sondern die aufzeigen, zu welchen kognitiven Leistungen auch Tiere fähig sind. Wenn ich auf einen Hochsitz stieg, um die Gegend von dort zu überblicken, blieben die anderen Hunde unten und sicherten wachsam die Umgebung. LUPA hingegen kletterte mit ihren dünnen Hundebeinen mühsam die Leiter hinauf, weil sie bei mir sein wollte. Auch bei den zahllosen Spaziergängen blieb sie stets an meiner Seite, während die anderen Hunde ihren Interessen nachgingen.

LUPA wurde vor fast genau einem Jahr einer Operation unterzogen, deren Ausgang ungewiss war. Nachdem mehrere Tierärzte aus der Tatsache, dass sich LUPA zunehmend häufiger übergab, Wasser und Nahrung oft kurz nach Aufnahme wieder erbrochen hatte, nicht schlau wurden, Fehldiagnosen (vom Herzhusten über chronische Bronchitis bis zu Pankreas) stellten, wurde die Ursache von LUPAS Krankheit zufällig beim Röntgen entdeckt. Ihre Speiseröhre war infolge einer Bindegewebsschwäche dermaßen ausgeleiert, dass sie den Durchmesser der Speiseröhre eines Rindes aufwies. Und dies, obwohl der Hund ansonsten topfit und auch innerlich völlig gesund gewesen ist. Man rang sich, da selbst Recherchen bei US-amerikanischen Tierkliniken via Internet keine adäquate Operationsmethode hervorbrachten, zu einem experimentalchirurgischen Eingriff durch, indem man die Speiseröhre freilegte, um sie enger zu nähen.

Von Anbeginn wies man mich darauf hin, dass in allen Fachbüchern die Euthanasie in solchen Fällen empfohlen würde und dass das Leben des Tieres nicht wesentlich verlängert werden könne. Ich wollte LUPA nicht aufgeben und willigte ein, den Eingriff, dem ich selbst beiwohnte, durchzuführen. LUPA war so tapfer und anfänglich sah es auch so aus, als ob ihr Erbrechen nachlassen würde. Doch leider hielt der Erfolg nicht lange an - das Erbrechen wurde wieder häufiger und heftiger, obwohl sie nur noch Brei zu fressen bekam.

Vier Tage vor ihrem Tod weigerte sich LUPA zunehmend mehr, überhaupt noch etwas zu sich zu nehmen, denn sobald sie es aufnahm, kam es wieder aus ihr heraus.

Wir gaben ihr Extraktfutter, hofften, dass sich die Speiseröhre wieder erholen würde, stellten ihr Körbchen unter eine Rotlichtlampe, doch sie magerte rasch ab, wollte nur noch schlafen und die Wärme ihrer Rotlampe genießen. Am Ende hatte sie einen leeren Blick, interessierte sich nicht mehr für die Tiere oder für uns. LUPA ist so gestorben, wie sie gelebt hatte - konsequent. Sie hatte beschlossen, unter diesen erbärmlichen Umständen nicht mehr weiterzuleben. Die kranke Speiseröhre hätte sonst ihren Stolz ebenso gebrochen wie ihre Lebensfreude. Schade, dass LUPA nun nicht mehr das schöne Leben in unserem neuen Domizil mit den anderen Tieren und uns teilen kann - sie hätte es so verdient.

LUPA, trotz unserer Trauer um Dich möchte ich Dich wissen lassen, dass Du das gut gemacht hast und ich weiß, dass Du in den nur sieben Lebensjahren mehr an anderen Lebewesen Gutes getan hast als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Ich weiß auch, dass Du nicht nur mir, sondern auch vielen anderen in guter Erinnerung bleiben wirst.

Zu Recht habe ich Dich oft als CALUETH bezeichnet, als Canis lupus ethicus.

Was immer nach dem Tode kommen mag, Du darfst mit dem Besten rechnen - das weiß ich ganz bestimmt!

AKT-AKTION KONSEQUENTER TIERSCHUTZ Biedesheim, den 27.11.2004
gemeinnützige Gesellschaft mbH
Peter H. Arras

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