Geschichte - Über den gangbaren Weg nach Eden

- Dem Leben unsere Stimme leihen -

MITWELTETHIK -

Über den gangbaren Weg nach Eden

coraundmastputeEden, auch Paradies genannt, sei ein Ort der artübergreifenden Harmonie allen Lebens. Nur dort und nicht in der „Wirklichkeit“ ruht, so sagt man, das Lamm einträchtig neben dem Löwen, nur dort sei echte Nächstenliebe und Frieden über alle Differenzen und Verschiedenartigkeiten hinweg möglich. Eden, nur ein irrealer Wunschtraum unzufriedener Menschen, für die die rauhe Wirklichkeit zu hart ist?

Eden in der Wirklichkeit: Pitbull-Hündin „Cora“ einträchtig mit Turbopute „Truti“ in der AKT-Tierschutzstation. Beide sind Opfer der menschlichen Arroganz gewesen, fälschlicherweise als Kampfhund und Mastpute deklariert und degradiert.

Die Wirklichkeit bzw. das, was wir Menschen in den Dingen und Ereignissen sehen wollen, ist brutal. Die Großen fressen die Kleinen, die Starken die Schwachen; nur der Egoist habe demnach ein Chance, zu überleben. So sehen die meisten Menschen die Natur und dasselbe Muster hat die Menschheit in ihr eigenes, angeblich aus der Natur ausgekoppeltes System übernommen und in ihrer Schrecklichkeit vervollkommnet.
Doch jenseits von Eden, in der Wirklichkeit also, hat sich - von den meisten unbemerkt - etwas entwickelt, das die „Gesetzmäßigkeit des Schreckens“ in Frage stellt, vielmehr sogar zu widerlegen sucht. Im Auge des Orkans herrscht bekanntlich Windstille und genau dort ist in den letzten 12 Jahren etwas aufgegangen, das mit den herkömmlichen Werten und Normen bricht. Das Ergebnis dieses Projektes hat einen Namen, der es gleich eines Zauberwortes vermag, aus dem Jammertal ein Paradies zu machen - die Mitweltethik.

Jene, die die AKT kennen, wissen es: „Gibt’s nicht gibt’s nicht!“- so eine ihrer Maximen im alltäglichen Kampf für Tierrechte und Mitweltethik. Und:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ - Doch dies hängt zunehmend weniger nur vom guten Willen derer ab, die sich diese Regel zur Lebensphilosophie gemacht haben.
Die von Peter H. Arras gegründete AKT besteht seit dem Jahre 1989, zunächst als Privatinitiative, seit 1994 als gemeinnützige GmbH in Karlsruhe. Damals waren es „nur“ 120 Tiere, die von seinem ehemaligen Arbeitgeber stammten, dem reichen Tierschutzverein München e.V. Dieser war trotz seines immensen Vermögens von damals ca. 40 Mio. DM nicht bereit, für exotische Tiere, insbesondere Reptilien, eine tiergerechte Abteilung zu schaffen. Als Tierschutzinspektor bei dieser Großorganisation wurde Arras damals bewusst, dass nicht alle Tiere in gleicher Weise geschützt und artgerecht vom Tierschutz (!) gehalten werden. Bis heute herrscht der unerträgliche, weil speziesistische Missstand vor, dass nur jene Tiergruppen beachtet und geschützt werden, die das emotionale Mitgefühl der Tierfreunde anregen, ausgehend vor allem von Hunden und Katzen. Obwohl diese nur ca. acht Prozent aller sogenannten Heimtiere umfassen, werden nahezu 100 % aller karitativen Aufwendungen des Tierschutzes in sie investiert. Der gigantische Rest kann sehen, wo er bleibt. Da Arras dies schon damals unerträglich fand, gründete er zunächst die erste und bis heute einzige Tierschutzstation für in Not geratene Reptilien und andere Tiere, die er 1994 zur AKT - Tierschutzstation für Exoten, Wild- und Kleintiere umbenannte, da im Grunde nicht nur Reptilien, sondern eigentlich fast alle nicht den domestizierten Hunde- und Katzenartigen angehörenden Tiergruppen in unserer Gesellschaft die Hilfe reihum verweigert wird.

ISchildkroetenTerra300x341mpressionen aus einer einmaligen Tierschutzstation
hier: Raum für aquatisch lebende Reptilien
Reptilien sind nicht „putzig“, weswegen ihnen der Schutz verweigert wird.

Aus den 120 Tieren von einst wurden zwischenzeitlich ca. 450 Tiere der verschiedensten Arten, die in der Durlacher Hauptstelle und einer seit 1998 angemieteten Außenstelle Zuflucht fanden.

Wasser- und Landschildkröten, dicht gefolgt von Stadt- und Brieftauben stellen den Löwenanteil dar, aber auch Marder, Krähen, Hühner, Schlangen, Echsen, Nager und Kleinsäuger, Papageien, Fische, Krebse und Amphibien bis hin zu Vogelspinnen, schließlich selbst Katzen und Hunde, schlicht alles, was vom konventionellen Tierschutz nicht beachtet und nicht aufgenommen wurde, findet in der AKT- Biosphäre Zuflucht und fachgerechte Hilfe.
Foto: Taubenschwarm in der Außenstelle der AKT

TaubenVoljere300x216Auch sie gehören zu den diskriminierten Tierarten - als Salmonellen-Bomber verschrien, geächtet und bekämpft.

Und weil der AKT dies natürlich nicht genügt, leistet sie von Anbeginn politischen Tierschutz, recherchiert neue Tierschutzthemen, denn auch hierbei wird in ähnlich speziesistischer Manier nicht alles geschützt, was dringend Hilfe braucht. So behandelt Arras seit 1990 das Tierschutzthema „Zoohandel/ AKT-Geschaeftsfuehrer182x182Heimtierhaltung“, gefolgt von den Themen „Fischerei“ (Erste Demo für Fische in Europa 1995), Wildtiere in Gefangenschaft (Zoo, Zirkus, Parks etc.), einheimische Wildtiere in der menschlichen Kultursteppe, um nur einige zu nennen und bemühet sich insgesamt um die Ausweitung tierschützerischer Ethik auf alle Tiergruppen, denn nur ca. 15 % der Tierwelt ist bislang überhaupt beachtet worden. Insbesondere Tiere wildlebender Arten, Kiemenatmer, Wirbellose und Wechselwarme erlangen nach wie vor weder auf karitativem noch auf politischem Gebiet angemessenen Schutz.

Das Leben ist heilig - die Wahrheit Gesetz.

PapageienPaar300x259Zunehmend mehr befasste sich Peter Arras, auch im Rahmen seiner Tätigkeit als Fachberater für Tierschutz und Tierhaltung (die erste und bis heute einzige Anlaufstelle dieser Art betreibt die AKT seit 1990 und berät Tierhalter und -schützer, Organisationen und Institutionen, Medien, Parteien, Behörden etc.) mit der Frage, weshalb die Menschen, ja sogar die Tierschützer selbst, ihren Handlungsbedarf nicht von der Not der Tiere, sondern vielmehr von ihrer Sympathie gegenüber gewissen Tieren abhängig machen. Daraus ergab sich ein neues, ebenfalls kaum beackertes Feld, nämlich das weite Gebiet der philosophischen Ethik (INSTITUT FÜR MITWELTETHIK seit 1993) mit allen daran angrenzenden Bereichen wie Biologie, Ökologie, Ethologie, Psychologie, Soziologie, Anthropologie und Pädagogik.
Foto: Arapaar Nico und Emil

Papageien sind Exoten. Jahrelang isoliert gehalten, damit sie zahm werden, finden sie hier Vergesellschaftung und artgemäße Haltung.

Die Antwort ist so einfach, wie sie sicherlich auch kompliziert ist:
„Der Tierschutz ist noch immer ein Resultat unserer Emotionalität, er entstammt nur selten dem Geiste eines ethisch motivierten Menschen, der sich eine egalitär-biozentrische und somit konsequente Ethik gegenüber allem, in dem das Leben pulst, (z.B. im Sinne von Albert Schweitzer: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“) zur Handlungsmotivation gemacht hat.  (Zitat Peter H. Arras)

Und genau dies ist der Grund, weshalb die AKT, obwohl bundesweit bekannt und in den Medien (insbesondere im Fernsehen) häufiger präsent als manch eine Großorganisation, bis heute im Schatten des Spendenmarktes steht. Ihre Themen, ihre Arbeit und ihre Tiere in der Schutzstation werden durchaus als interessant und wichtig empfunden („Denkfabrik der Tierschutzidee“, „Tierschutz-Pionier“, ja sogar „Tierschutz-Einstein“, um nur einige Begriffe zu nennen, die man für Arras schon kreiert hat) und die starke Frequentierung der AKT-Einrichtungen beweisen, dass sie bekannter sind, als es ihr lieb ist (denn damit ist stets viel Arbeit verbunden), doch zu einem Wachstum des Förderkreises hat all dies ebensowenig geführt wie zu einem angemessenen Spendenaufkommen.
Ergebnis: Die AKT wirtschaftet mit einem bescheidenen Jahresbudget und lediglich einem Beschäftigten (nämlich Peter Arras für DM 2.000,- Monatshonorar) an sieben Tagen pro Woche ca. 12 bis 14 Stunden täglich, um für die Tiere Leistungen zu erbringen, für die konventionelle Organisationen ca. 2 bis 4 Leute zu anständigen Gehältern beschäftigen würden.
Bei wohl kaum einer anderen Organisation werden Spenden unmittelbarer und effizienter dem guten Zweck zugeführt, wie bei der AKT.

Eisbaerdemo300x408Mit der Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter sieht es ziemlich schlecht aus. Erstens ist heute kaum noch einer bereit, ernsthaft und regelmäßig anspruchsvolle Versorgungsaufgaben dauerhaft und unentgeltlich zu leisten, zweitens sind Wildtiere und Exoten wenig dankbar und auch ebenso wenig schmusig, erwidern also die Bemühungen ihres Pflegers allzu oft nicht in der Weise, wie dies Hunde, Katzen, Pferde und Ziegen vielleicht tun.
Sollte Arras ausfallen, wäre dies gegenwärtig der Supergau für die AKT, ganz zu schweigen davon, dass er keinerlei Freizeit mehr hat.
Die AKT braucht nicht trotz, sondern wegen ihrer wichtigen, zukunftsweisenden und leider einzigartigen Arbeit finanzielle und praktische Hilfe, da Peter Arras an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt ist.
Anfeindungen aus den Reihen sogenannter Tierschützer und -rechtler, Attacken von politischen Gegnern sowie rachsüchtige Tierhalter, denen er nicht ihre egoistischen Verlangen befriedigte, machen ihm ebenfalls zu schaffen, - sowohl zeitlich als auch nervlich.
Besonders der offene Krieg, den die Stadt Karlsruhe als Antwort auf Arras´ Öffentlichkeitsarbeit bezüglich des Eisbärenmassakers von Nürnberg gegen die AKT führt (bekanntlich sind vier Eisbären aus dem Karlsruher Zoo umgebracht worden), indem sie den vom Gemeinderat beschlossenen Betriebskostenzuschuss von DM 10.000,- unter Vorgabe ständig wechselnder Vorwände verweigert (Der Fall wird wahrscheinlich vor das Verwaltungsgericht gehen), leisten neben mehreren juristischen Auseinandersetzungen ein Übriges.

Spektakuläre Aktionen der AKT

Eines zeigt der Wirbel um die AKT jedenfalls deutlich: Mit ihrer Kritik an den verkrusteten Strukturen und Werten der Gesellschaft, der Politik und auch der konventionellen Tier- und Naturschützer provoziert sie nicht nur das Aufbegehren der Kritisierten, sondern bringt letztlich die Krusten dazu, zu bröckeln. Weshalb sonst geben sich verschiedenste Lager seit Jahren so viel Mühe, die AKT zu torpedieren und zu bekämpfen?
Mit Beharrlichkeit und der Unterstützung von Fachleuten, insbesondere Rechtsanwälten, gelang es Arras stets, die artübergreifende Harmonie innerhalb der AKT zu bewahren und gegen die immer heftigeren Attacken von außen abzuschirmen.
Die AKT ist eine Keimzelle, in der Mitweltethik nicht nur erdacht und entwickelt, sondern auch unmittelbar auf ihre Praktikabilität hin überprüft wird. Sie ist eben gerade nicht das Produkt weltfremder Gedanken, wie sie vielleicht in so manchem Elfenbeinturm entstehen, sondern sie findet statt am Puls des Lebens, der Gesellschaft und der Wiklichkeit. So wie auch ein Lazarett-Camp nicht irgendwo im Hinterland, sondern direkt an der Kriegsfront errichtet wird, so befindet sich auch die AKT mit ihren Einrichtungen direkt an jener Front, an der die Starken gegen die Schwachen, die Menschen gegen die Tiere und die Bösen gegen die Guten kämpfen.

Das wesentlichste Merkmal der Mitweltethik ist zugleich das der AKT - die Ganzheitlichkeit. Keine andere Organisation betreibt sowohl karitative als auch politische Arbeit und setzt dann auch noch dem Ganzen eine geisteswissenschaftliche Dimension hinzu, die Mitweltethik, die die Wortschöpfung von Peter H. Arras ist und von ihm popularisiert wurde.
Wenn die AKT es nicht schafft, sich in schwieriger werdenden Zeiten zu behaupten, wenn sie es nicht schafft, gemäß ihres wachsenden Betätigungsfeldes auch die Spendeneinnahmen zu erhöhen, dann stirbt in unserer Welt ein greifbarer, völlig realer Grund zur Hoffnung.
lupafretchen„Alles, was wir brauchen, um aus diesem Jammertal ein Paradies zu machen, ist uns bereits gegeben; wir müssen es nur umsetzen, was lediglich einer neuen Ethik bedarf, die uns Menschen mit der Natur aussöhnt, uns in die Biosphäre der Erde wieder harmonisch einbindet.“ - davon ist Arras überzeugt.

Hündin Lupa adoptierte Marderkind Fäh.
Wenn Tiere zur zwischenartlichen Sozialität fähig sind, sollten Menschen es erst recht sein!

Die AKT steht für ein einzigartiges und ganzheitliches Projekt im Interesse aller und kann ohne Ihre Unterstützung ihre Arbeit nicht fortsetzen!

Karlsruhe, den 03.11.2001

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