Offener Brief zur ARD- Talkrunde „Tiere essen“ in Hart aber fair

 

Dennoch aber sind wir der Auffassung, dass diese Sendung weder hart noch fair gewesen ist.

Nicht nur die Tatsache, dass zwei – noch dazu „schwache“, da nicht sehr schlagfertig, eloquent und dominant aufgetretenen Vegetarier mit vier sehr dominanten Fleischkonsumbefürwortern konfrontiert waren, auch die Tatsache, dass nach Jahrzehnten der Debatte im Jahre 10 des 21. Jahrhunderts wieder einmal alte Klischees bedient wurden, leistete dem eigentlich so eminent wichtigen und niveauvollen Thema leider einen Bärendienst.

Die drei betonköpfigen, gegenüber den Belangen von Nichtmenschen ignorant, um nicht zu sagen sadistisch anmutenden, bekennenden „Raubtiere“ (und nur auf solche Individuen ist dieser Begriff anwendbar), mit ihrer herablassenden, selbstgefälligen und zynischen Art, sich darzustellen und ihre Interessen zu artikulieren, waren gut gewählt, repräsentieren sie doch diese lebensverachtende Ausbeutermentalität, die unsere Welt ruiniert und über unsere gesamte Mitwelt Angst und Schrecken gerichtet hat. Ihre einzigen Argumente waren „Lust, Gewohnheit und Kommerz“. Sie trugen keine wissenschaftlichen Fakten zur Stützung ihrer Positionen vor, weil es keine wissenschaftlichen Fakten zur Rechtfertigung des Konsums von Tieren gleich welcher Art und Form mehr gibt – gut dass sie sich wenigstens auf den Papst in Rom berufen konnten…. !

Mit angemessener Wortzuteilung wäre es ein Vergnügen, um nicht zu sagen ein Spaß gewesen, diese argumentativ zu Gänze ad absurdum zu führen.

Die Vegetarismusvertreter hatten es leider zugelassen, schon in den ersten Minuten der Sendung sich freiwillig und ohne Not in die alte Schublade der Freaks und Spinner hinein manövrieren zu lassen, was erfahrungsgemäß beim Zuschauer auf Gelächter, Befremden und Ablehnung stößt. Ob die Schuhe von Frau Rütting „vegan“ sind oder nicht, war doch wohl nicht Thema dieser Sendung, oder? Die Vegetarier machten sich aus argumentationsstrategischer Sicht offensichtlich nicht hinreichend klar,

für wen sie Rede führen,

welches Klientel ihnen zusieht,

wen es gilt zu überzeugen – nämlich den „Otto- Normalverbraucher“ und

wie wertvoll die Sendezeit und Chance in Zeiten gewesen ist, in denen der Tierschutz öffentlich kaum noch angemessen zu Wort kommt, – sonst hätten sie sich und die Sache anders zur Geltung gebracht.

Frau Rütting sprach so, dass sie zwar den Vegetariern und den Tierschützern gefällt, nicht aber, um die Zuschauer für dieses Anliegen wirklich zu gewinnen.

Herr Benecke tat so, als sei die Frage der Ernähung vor allem seine Privatsache und die eines jeden anderen Konsumenten. Er machte auf uns nicht den Eindruck, dass er bestrebt war, irgendjemanden zu überzeugen – entsprechend lasch war seine Rede, sein Benehmen und seine Ausstrahlung. Ein Schnitzel als Leichenscheibe zu bezeichnen war zwar fachlich korrekt, strategisch aber völlig kontraproduktiv. Dass er gar die Diskussionsrunde verlassen wollte wie ein trotziges Kind, und damit wertvolle Sendezeit verspielte, die er besser genutzt hätte, um den Tieren seine Stimme zu leihen, zeigt, dass dieser Mann eindeutig aus Sicht des Tierschutzes eine Fehlbesetzung war. Obschon er Zoologe war, versäumte er es, aus fachlicher Sicht z. B. die Ernährungsphysiologie des Hominiden sachlich darzulegen, dass dieser biologisch eben nicht dazu bestimmt ist, Fleisch zu essen. Was wir ihm als jene Tierschutzorganisation in Deutschland, die seit Jahrzehnten wie keine andere für die ethische Beachtung von wechselwarmen- und wirbellosen Tieren sehr zugute halten, waren seine Bemerkungen über diese Tierarten, mit denen er selbst auch Erfahrungen gesammelt hat. Überhaupt kam der Konsum von Wasser- und Meerestieren überhaupt nicht zu Sprache, was ein großes Versäumnis war.

Auch wenn wir Frau Wieners „Schlachtpädagogik“ aufs Schärfste verurteilen, weil wir, wie der zitierte Anrufer der Überzeugung sind, dass „artgemäß gehaltene und „schonend“ getötete Tiere aus ethischer Sicht kein Freibrief dafür sein können, bedenkenlos verzehrt zu werden, hat Frau Wiener im Ergebnis argumentativ und bezüglich ihrer Ausstrahlung, für die Tiere in dieser Sendung am meisten bewirkt – dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung – schade, dass eine solch sympathische, eloquente und idealistische Frau nicht auf unserer Seite steht.

Sie, Herr Plasberg, hätten dafür sorgen müssen, dass beiden Lagern (nicht Personen!) die gleiche Sendezeit zuteil wird. Es kann auch ein Vegetarier/Tierschützer gegen fünf Fleischesser antreten, wenn dieser ebensoviel Zeit erhält, seine Überzeugungen in Ruhe darzulegen wie die fünf anderen zusammen. Dies war den Vegetariern jedoch nicht eingeräumt worden, die zudem auch noch zahlenmäßig unterlegen waren. Diese haben inhaltlich viel angesprochen, also z. B. auch die Welternährungsfrage, der Nährstoffwechsel, die Tatsache, dass 10 kg pflanzliches Protein benötigt werden, um ein kg tierische Proteine zu erzeugen. Aber es wurde nur gesagt, jedoch nicht angemessen zur „GELTUNG“ gebracht – der „Aha-Effekt“ blieb, auch wegen der Zeitknappheit – beim Zuschauer u. E. aus.

Der Unterzeichner verweist bezüglich der Beurteilung dieser Talkshow auf 500 Minuten Fernseh- und Talkshowerfahrung und möchte Sie ermuntern, immer wieder den Themenkomplex Tier- und Mitweltethik aufzugreifen. Gerne steht er Ihnen in zukünftigen Sendungen als Talkshowteilnehmer zur Verfügung!

Er hatte Ihnen als Gründer des „Instituts für Mitweltethik“ seine Stellungnahme mit der Bitte um Verlesung in die Sendung gefaxt – leider konnte Ihre Redaktion dieser Bitte – offensichtlich aus Zeitmangel – nicht entsprechen. Es ging darin (siehe Anhang) um die Welternährungsfrage, die u. E. nur mikrobiologisch gelöst werden kann. Unser Institut war als Think Tank auf der diesjährigen GAP- Konferenz durch die EU- Agrarkommission konsultiert worden. (Siehe Anhang und Link zu unserer Website im Abspann dieser Email).

Die Frage der Ernährung der humanoiden Weltbevölkerung hat viele Facetten, aber u. E. nur eine langfristige weil zukunftsgemäße Lösung – genug spannenden Stoff also für Ihre wertvolle Sendung, die wir regelmäßig – nahezu wöchentlich, verfolgen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese unsere Zuschauerreaktion auf Ihrer Website zugänglich machen und sie insbesondere den anderen Talkteilnehmern zuleiten würden.

Wir erlauben uns, diesen Brief über E- Mailverteiler einer breiten Masse von Bürgern zuzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Zusätzliche Informationen