Kommentar zur Talkshow Maybritt Illner am 20.01.2011

AKT- Kommentar zur ZDF- Talkshow bei Maybrit Illner am 20.01.2011 zum Thema „Schluss mit der Fleischeslust?“

"Die Köchin redete über Tierschutz - der "Tierschützer" über Rotkohl"

Wieder eine verspielte, in letzter Zeit - Dank Dioxinskandel – allerdings häufiger vorkommende Chance, die Belange des Tierschutzes/ der Tierrechte im Fernsehen zur besten Sendezeit einem Millionenpublikum gegenüber zur Geltung zu bringen.

Zwar hat die Illner- Redaktion wohl mehr Geschick bei der Auswahl von Talkgästen als die Redaktionen von Anne Will und Frank Plasberg (beide ARD), aber dennoch war der „Repräsentant“ einer breiten und immer breiter werdenden Masse von Tierschützern, Tierrechtlern, Vegetariern und Veganern schwach, ja geradezu schüchtern, verlegen und in keinster Weise schlagfertig.

Die Schuld liegt ja doch wohl bei der einladenden Redaktion: Man muss sich wirklich fragen, nach welchen Kriterien die Talkgäste eigentlich ausgewählt werden. Sich für PeTA- Fotoaktionen nackt auszuziehen und vegan zu leben können doch wohl keine Kriterien sein, in eine solche Talkshow eingeladen zu werden. Auch nicht die Eigenschaft, Schauspieler zu sein (fragt sich nur, weshalb Herr Regout sich nicht einfach vorgestellt hat, einen Film zu drehen, in dem er die Rambo- Rolle auszufüllen hat – Schauspieler können doch sowas, oder?)

Wieder war es vor allem die attraktive und eloquente Köchin Sarah Wiener, die – trotz ihrer eigentlich ungefestigten Positionen im Hinblick auf die Frage, was Sie denn nun eigentlich propagiert – Fleischkonsum oder Vegetarismus – unseren Idealen und Zielen am meisten gut getan hat. Diese Frau redet nämlich auch dann, wenn sie nicht das Wort hat – durch Mimik und die Bewegungen ihres Kopfes beim Vernehmen der Rede anderer Diskutanten. Ihr Gesicht war das, auf dem die Kamera am meisten ruhte. Davon sollte sich der junge Schauspieler mal etwas abschneiden.

Von Sarah lernen heißt siegen – zumindest in einer Talkshow!

Auch Bärbel Höhn hat gut gesprochen, mit Händen und Füßen, nach vorn gebeugt und mit viel Stimme – so macht man das, auch wenn sie als Grüne und ehemalige Landesministerin in nicht geringem Umfang die Mitschuld an nicht wenigen beklagenswerten Entwicklungen trägt.

Über die beiden anderen Herrn gibt es wenig zu kommentieren – sie erfüllten die Positionen, die man von ihnen erwarten konnte. Wie rasch allerdings Peter Bleser von der Union kleinlaut zu kriegen war, war augenfällig – er und seinesgleichen scheinen allmählich zu ahnen, dass ihre Politik ein Auslaufmodell in unserer Gesellschaft ist.

Natürlich musste sich ein Veganer in einer solchen Runde unwohl fühlen, dennoch aber hätte ein gut vorbereiteter Tierrechtler durchaus eloquent und schlagfertig all jene Argumente (Tierschutz, Globalökologie, Hunger, Klimawandel, Landwirtschaft etc.) überzeugend zur Geltung bringen können, die hier vor allem von Frau Wiener und Frau Höhn dargelegt wurden. Und natürlich ist auch er in die „Schuhfalle“ getappt – schon gleich am Anfang – schade, dass sich die Tiervertreter immer wieder durch diese Masche einkreisen und in ein Klischee pressen lassen. „Ich bin nicht gekommen, um hier über Schuhe zu reden“ – wäre z. B. die korrekte Antwort gewesen.

Würde man 100 Leute, die die Sendung gesehen haben, fragen, woran sie sich noch am besten erinnern und welcher der Talkgäste sie am meisten beeindruckt hat, würde der „Rotkohl- Mann“ mit Sicherheit an letzter Stelle rangieren.

Bleibt die Frage, weshalb die Redaktionen nicht jene aktiven Frontliner des Tierschutzes vorlassen, die im Stoff sind und die deshalb unsere Anliegen am effektivsten vorzutragen verstehen – fast könnte man wirklich Absicht dahinter vermuten!

Die Moderatorin Maybrit Illner erschien mir wieder meiner Erwartung als dem Tierschutzthema zugeneigt und sehr ausgleichend. Hätte sie dem Veganer nicht wenigstens ab und an das Wort regelrecht aufgedrängt, hätte er wohl keinen Ton mehr von sich gegeben.

Der Umgang mit den Medien ist in der heutigen Zeit das Allerwichtigste. Wir sollten uns organisationsübergreifend an diese wenden und darauf drängen, dass fortan die richtigen Leute in die Talkshows eingeladen werden.

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