Schreiben an Campact zur Aktion "Kann denn Liebe Sünde sein?"

 

Orignial E-Mail von Campact:

Lieber Peter H. Arras,

in den letzten Tagen sorgt eine bundesweite Online-Petition für Schlagzeilen: Ein Realschullehrer diffamiert darin den neuen Bildungsplan von Baden-Württemberg, der bei Schüler/innen Verständnis und Akzeptanz von schwulen und lesbischen Lebensentwürfen fördern soll. Schon fast 100.000 Menschen haben unterschrieben. Der rechte Rand trommelt für die Petition. Für sie ist Homosexualität nicht ein Menschenrecht, sondern ein auszumerzendes Übel.

Kurz nach dem mutigen Coming-Out des Fußballprofis Thomas Hitzlsperger wird klar, wie viel Feindseligkeit Menschen wie er noch immer ertragen müssen. Jetzt wollen wir mit einem Eil-Appell gegenhalten und die wegweisenden Pläne der baden-württembergischen Landesregierung unterstützen. Sobald wir 100.000 Unterschriften zusammen haben, werden wir unseren Appell unter dem Motto „Vielfalt gewinnt!“ in der Stuttgarter Zeitung als Anzeige veröffentlichen. Damit die hässliche Fratze der Homophobie nicht wieder hoffähig wird.

„Du Schwuchtel“, „Schwule Sau!“, „Du bist pervers!“, „Schwuler Pass!“ – auf unseren Schulhöfen sind solche Aussprüche allgegenwärtig. Sie sind es, die bei vielen Jugendlichen mit homo-, trans- und intersexuellen Gefühlen Angst vor Diskriminierung erzeugen. Nach einer europaweiten Umfrage der EU-Grundrechteagentur unter mehr als 90.000 Befragten haben Zweidrittel der homo-, trans- und intersexuellen Menschen in der Schule ihre sexuelle Ausrichtung verheimlicht. Mindestens 60 Prozent von ihnen waren dort mit abwertenden Kommentaren konfrontiert.

„Wenn Jugendliche erleben müssen, dass ihre sexuelle Orientierung nicht geduldet wird, erleben wir immer wieder massive psychische Probleme, massiven Leistungsabfall und damit verbundene Schwierigkeiten im weiteren Berufsleben“, schreibt die Bundesintegrationsbeauftragte Christine Lüders in der Süddeutschen Zeitung von gestern. Dies zu verhindern und zugleich bei allen Schüler/innen Akzeptanz und Toleranz für eine Vielfalt an Lebensentwürfen zu schaffen – darum geht es dem Bildungsplan Baden-Württembergs. Und eben nicht um „eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung“, wie es die Petition „Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“ behauptet.

Was als Einzel-Aktion eines Lehrers begann, hat Wellen geschlagen: Die in Baden-Württemberg sehr konservativ ausgerichteten Landeskirchen kritisieren den neuen Bildungsplan. Und der FDP-Fraktionschef im Landtag, Hans-Ulrich Rülke erklärt, dass er andere Lebensformen keineswegs gleichwertig zur klassischen Familie sieht – sehr zum Entsetzen liberaler Parteimitglieder. Noch schlimmer: Rechte und rassistische Kreise wie die Plattform „Politically Incorrect“ springen auf und wittern Morgenluft.

Für homosexuelle Jugendliche bedeutet das zusätzlichen Druck und Mobbing in dem ohnehin schon oft homophoben Klima an Schulen. Eine solche Schule wollen wir nicht. Wir stehen an der Seite von Lehrer/innen, Bildungspolitiker/innen und Schüler/innen, die gemeinsam für eine offene Schule streiten, in der Toleranz und Vielfalt gelehrt und vorgelebt werden.

Herzliche Grüße

Maritta Strasser, Oliver Moldenhauer und Christoph Bautz


 

Antwort von AKT:

Hallo Campact-Team, 

 Liebe und Sex - insbesondere entsprechende Orientierungen - sind die Privatangelegenheit von Privatleuten. Sie sind weder zu diskriminieren oder zu verbieten (insoweit sie nicht Wehrlose/Unmündige benachteiligen oder schädigen), noch sind sie zu propagieren - am wenigsten aber sind sie zu kultivierenindem sie salonfähig gemacht werden.

Morgen melden sich dann die Sadomasochisten, die Pädosexuellen und die Zoosexuellen. Wollt Ihr  für  deren  "Sexstil",  Orientierung  und Praktiken dann auch um "Toleranz oder Akzeptanz" werben und zugleich jene angreifen, die dagegen sind, dass unsere neuen Generationen darauf geprägt  und desorientiert werden?

Ihr deckt und unterstützt also die komplette Pervertierung (im wissenschaftlich- psychopathologischen Sinne verstanden!) unserer ohnehin schon dekadenten Gesellschaft? Das können wir kaum fassen, haben wir doch bislang Eure Kampagnen zumeist unterstützt.

Wir bitten um Eure dezidierte Stellungnahme!

Danke!


 

Stellungnahme von Christa Meves (Kinder- und Familienpsychologin, Fachbuchautorin von 43 Büchern) hierzu:

Liebe Freunde,

die Landesregierung in Baden-Württemberg hat fünf Leitprinzipien des Bildungsplans 2015 entworfen, in denen flächenübergreifend die Akzeptanz sexueller Vielfalt angekündigt wird. Darunter ist u.a. Folgendes zu verstehen: „Schülerinnen und Schüler kennen die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit LSBTTI - Menschen und reflektieren die Begegnungen in einer sich wandelnden globalisierten Welt.“ (LSBTTI bedeutet: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, trans- und intersexuelle Menschen). Und weiter: "Schülerinnen und Schüler reflektieren die Darstellung von Geschlechterrollen und sexueller Vielfalt in Menschen und Werbung und entwickeln eine Sensibilität für Stereotype.“ Unzweifelhaft ist mit dem Wort „Stereotype“ die Verbindung zwischen Mann und Frau und die traditionelle Familie gemeint. Den Kindern sollen also per obligatorischem Schulunterricht die bisher vom Grundgesetz geschützte familiäre Lebensform in Zweifel gesetzt und eine sogenannte „sexuelle Vielfalt“ schmackhaft gemacht werden. Das ist ein unzulässiger ideologischer Übergriff.

Warum geben sich die Regierenden so viel Mühe, per Schule die von der Mehrheit gewünschte Lebensform auszuhebeln? Über Lesbos, Schwulsein, Bi-und Transsexualität als Optionen soll nun informiert werden, samt über Gender Mainstreaming durch „flächenübergreifenden“ Sexualkundeunterricht schon vom Grundschulalter ab. Wiegen zu füllen, kann dergleichen Freizügigkeit gewiss nicht bewirken, wohl aber den Wunsch,  sich hier bald, bald in all den  so empfohlenen „Spielarten“ des Sex  zu betätigen. Im frisch ergrünten Baden-Württemberg  sollen die Schülerinnen und Schüler – den fortschrittlichen Ländern Berlin und NRW folgend – auf diesem Sektor – nun „selbstbestimmte Konsumentscheidungen“ treffen. Aber den Beipackzettel über die ach so schädlichen Nebenwirkungen suchen die armen entmachteten Eltern vergeblich......

Testfrage: Wie mag die Gedankenwelt von Akteuren aussehen, die dergleichen Richtlinien durch einen obligatorischen Sexualkundeunterricht den Kindern, Jugendlichen und Ihren Eltern aufzwingen wollen?

Immerhin hat sich eine Widerstandsbewegung gebildet. Sie versucht  im dortigen Landtag wirksam zu werden. Dazu bedarf es vieler Stimmen. Sie können bei diesem Protest gegen den Bildungsplan mitmachen und ihn noch an Freunde und Bekannte weiterleiten. 

https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Christa Meves

Zusätzliche Informationen