Spiegel-online: Wassermangel: Forscher prophezeien Ende der Fleischkultur

Seit Jahren gebe ich den Rat, nicht so viel Energie und Geld in die Etablierung des Vegetarismus/Veganismus zu investieren, da die Regierungen der Welt spätestens 2030 den Tierkonsum aus Ressourcengründen ohnehin verbieten werden. (Schneller können wir das durch mühevolle Aufklärungsarbeit mit Sicherheit auch nicht erreichen.)
Macht Euch besser Gedanken darüber, wie Nährstoffe ökologisch und ethisch vertretbar für 9 Mrd. Menschen in 2050 erzeugt werden können, so wie wir von der AKT - vgl.: http://www.akt-mitweltethik.de/ernaehrung

Aber niemand hört auf uns - unsere Biofermenterinnovation CPF kann nicht entwickelt werden, weil keine Sponsoren hierfür das Budget übernehmen wollen. Unglaublich!
 
(Peter H. Arras)
 
 

Zum Originalartikel von Markus Becker

vertrocknete kuh

Totes Rind in Kenia: Der Welt droht Wassermangel

 

Fleisch ist in den reichen Ländern eine billige Alltagsnahrung. Doch damit dürfte laut einer Studie bald Schluss sein: Das Wachstum der Weltbevölkerung und künftige Wasserkrisen könnten das Schnitzel zum Luxusgut machen.

Wer glaubt, morgens beim Duschen viel Wasser zu verbrauchen, kennt nicht einmal die halbe Wahrheit. Nach Zahlen der Unesco liegt der weltweite Pro-Kopf-Bedarf bei fast 1400 Kubikmetern pro Jahr - das sind nahezu 4000 Liter pro Tag. Und das ist nur der globale Durchschnitt. In den USA etwa ist der Pro-Kopf-Verbrauch mehr als doppelt so hoch.

Sparsames Spülen hilft da kaum. Denn das weitaus meiste Wasser, das man als Bewohner eines reichen Industrielandes zum Leben braucht, fällt fernab der heimischen Wohnung an - der größte Teil entsteht in der Lebensmittelherstellung. Die Landwirtschaft verbraucht rund doppelt so viel Wasser wie alle anderen Aktivitäten der Menschheit zusammen - und die Fleischproduktion wiederum hat den höchsten Wasserverbrauch. Die Herstellung eines einzigen Kilogramms Schweinefleisch verschlingt rund 10.000 Liter.

Vor diesem Hintergrund verwundert kaum, was Anders Jägerskog und seine Kollegen vom Stockholm International Water Institute (Siwi) jetzt berechnet haben. In ihrer Studie, die anlässlich der World Water Week in Stockholm veröffentlicht wurde, haben die Forscher zwei Fakten einander gegenübergestellt:

  • Die Welt nähert sich immer mehr einem westlichen Ernährungsstil an: rund 3000 Kilokalorien pro Tag, von denen 20 Prozent von tierischen Proteinen - also aus Fleisch - stammen.
  • Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung nach Prognosen der Vereinten Nationen von derzeit sieben auf neun Milliarden steigen.

 

Diese beiden Zahlen, so lautet das Urteil der Experten, sind nicht in Einklang zu bringen. Es gebe auf den derzeit verfügbaren Ackerflächen schlicht nicht genug Wasser, um neun Milliarden Menschen mit dermaßen viel Fleisch zu ernähren. Malin Falkenmark und ihre Kollegen haben für die Siwi-Studie berechnet, was stattdessen möglich wäre: Würde der Anteil tierischen Proteins an der Ernährung von 20 auf fünf Prozent sinken, könnte das verfügbare Wasser gerade noch reichen - aber auch nur, wenn ein "gut organisiertes und verlässliches System des Lebensmittelhandels" existierte.

925 Millionen Menschen leiden unter Mangelernährung

Das Problem: Ein solches Verteilsystem existiert nicht. Die meisten Experten stimmen darin überein, dass es schon heute genug Getreide gäbe, um noch weit mehr als neun Milliarden Menschen zu ernähren. Doch mehr als die Hälfte des Getreides wird zu Viehfutter und Biosprit verarbeitet oder landet im Müll. 925 Millionen Menschen leiden laut Uno-Landwirtschaftsorganisation FAO unter Mangelernährung - obwohl die Pro-Kopf-Lebensmittelproduktion ständig steigt, wie Falkenmark und ihre Kollegen betonen.

Deshalb wird nach Einschätzung von Forschern künftig immer öfter geschehen, was in den USA und Teilen Asiens schon heute zu besichtigen ist: Dürren, Stürme oder schwere Regenfälle sorgen für wirtschaftliche Schäden und treiben die Getreidepreise in die Höhe.
Zwar sind die aktuellen Preissteigerungen und Produktionsrückgänge
historisch nichts Besonderes: In den USA waren Mais und Soja Anfang der
siebziger Jahre mitunter doppelt so teuer wie heute, und noch in den
neunziger Jahren gab es dort stärkere Rückgänge der landwirtschaftlichen
Produktion als in diesem Jahr (siehe Grafiken). Doch global gesehen
konnte die Ernährung der Menschheit bisher nur deshalb halbwegs
sichergestellt werden, weil immer neue Ackerflächen erschlossen und die
bestehenden immer produktiver wurden - modernen
Hochleistungsgetreidesorten und Erntemaschinen sei Dank.

 

Irgendwann aber, so fürchten Experten, könnte das Ende dieser Entwicklung erreicht sein, auch angesichts des künftig zu erwartenden Wassermangels. Schon jetzt gibt es deutliche Anzeichen, dass der ständig steigende Ressourcenbedarf die Technologie überfordert - und am Ende auch den Planeten. Nach Berechnungen des Forscherverbands Global Footprint Network verbraucht die Menschheit derzeit eineinhalbmal so viele Ressourcen, wie die Erde langfristig bereithält. Sollte der Pro-Kopf-Verbrauch auf heutigem Niveau verharren oder gar noch steigen, hieß es 2011 im Fachblatt "Nature", könnte die Menschheit im Jahr 2050 drei Erden benötigen.

Vielleicht hilft eine simple Strategie, die Wissenschaftler den Bewohnern der Industrieländer schon vor einiger Zeit nahegelegt haben: Einfach mal weniger essen.

 

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