Bezüglich ethischer Bedenken gegenüber Mikroorganismen:

Mikroben vermehren sich durch Teilung im Minutentakt. Das heißt, dass sie ihre individuelle Existenz „bereitwillig“ aufgeben, um sich durch Teilung zu vermehren. Die Lebenserwartung von Mikroben beträgt demnach nur Minuten. Mikroben „definieren“ sich mutmaßlich über das Kollektiv ihrer Artgenossen, also der Erhalt ihrer Spezies ist ausschließlicher Antrieb. Ich vermute, dass sie eine Kollektivseele haben, so wie die Körperzellen in einem Organismus. Ein Makroorganismus, gleich ob pflanzlich oder tierlich, kann Arterhaltung nur ermöglichen, wenn er sich selbst als Individuum erhält, weswegen ihm sein Überleben und seine Unversehrtheit so wichtig sind. Die Seele eines Makroorganismus hat keinen speziellen Sitz, sie befindet sich m. E. in jeder einzelnen Körperzelle, bzw. stellt die Kollektivseele aller an dem Makroorganismus beteiligten Zellen dar. Bei den Mikroben ist es vermutlich ebenso, dass solange das Kollektiv erhalten bleibt, auch die Kollektivseele weiter besteht. Beispielsweise frisst ein Rind bereits als Kalb Pflanzen und nimmt somit auch die Pansenbakterien auf, die sich lebenslang im Rind reproduzieren und im Vormagensystem eine einzigartige ökologische Nische innehaben. Insoweit bestehen nach meinen Überlegungen keine ethischen Bedenken gegenüber den Mikroben, da bezüglich des einzelnen Mikrobs insoweit keine ethische Intrinsität gegeben ist.

Mikroorganismen trachteten, seit es Leben auf der Erde gibt, vielmehr stets nach symbiotischen und mutualistischen Beziehungen, auch untereinander – eine Symbiose zwischen Mensch und Mikroben im industriellen Maßstab wäre aus Sicht der Mikroben eher eine Blütezeit, so dass ein beidseitiges Interesse von Menschen und Mikroben gegeben wäre – wie bei allen Symbiosen. Bedenkt bitte, dass sich Mikroben überall auf Eurer Haut und im Verdauungstrakt befinden und dass jede Selbstreinigung, jeder Stuhlgang, etliche Mikroben sicherlich abtötet. Dennoch lebt der Grundstock auf und in uns weiter – und darauf kommt es den Mikroben einzig an. Auch Körperzellen sterben ja ständig und erstehen neu durch Zellteilung und hierdurch ermöglichte Regeneration.

Da ich davon überzeugt bin, dass Mikroben die einzigen Lebewesen sind, gegenüber deren Vernutzung in der Tat keinerlei ethische Bedenken Bestand haben, favorisiere ich die Bioreaktorentechnologie auch im Hinblick auf Ethik gegenüber Pflanzen – nicht nur Tieren.

Es wurde die Frage aufgeworfen, weshalb denn nicht vegetarische oder vegane Ernährung genüge, und weshalb ich die Nährstoffproduktion in Fermentern fordere:

Im Jahre 2050 erwartet die UNO eine humanoide globale Bevölkerungspopulation von 9 Mrd. Individuen. Selbst wenn all diese Menschen sich bis dahin vegan ernähren sollten, ginge auch dies nur unter weiterer massiver Ausbeutung der Böden und würde weitere Landnahmen erforderlich machen. Die aufgrund des Klimawandels zu erwartenden Wetteranomalien würden jedoch vermehrt die Ernten der (im Gegensatz zu ökologisch intakten Wiesen – dem Rohstoff für die Biofermenterproduktion von Nährstoffen) insgesamt anfälligen „Nutz“pflanzen zerstören, eine gesicherte Versorgung kann so nicht gewährleistet werden. Schon heute haben 1 Mrd. Menschen keinen gesicherten Zugang zu Nahrungsmitteln und Trinkwasser - 2050 werden es drei Mrd. sein. Dies führt zu Unruhen, Kriegen und zu noch hemmungsloserer Ausbeutung von Natur und Nichtmenschen.

Mit meiner High-Tech- Lösung wäre die kontinuierliche Versorgung mit essentiellen Nährstoffen überall auf der Welt möglich bei gleichzeitiger Reduktion der Nutzflächen, was zur Folge hätte, dass Land an die Natur zurückgegeben werden könnte (Waldaufforstungen, Renaturierungsmaßnahmen etc.). Dies ist auch deshalb erforderlich, weil nur die Regulations- und Regenerationsmechanismen der Natur die vom Menschen verursachten multiplen Schädigungen unserer Biosphäre ausgleichen und kompensieren können (siehe das Comeback der Natur im verstrahlten Umland von Tschernobyl/ Ukraine).

Man darf als Veganer auch nicht vergessen, dass etliche Tiere beim Anbau von Nahrungspflanzen gestört, geschädigt, verdrängt und auch vernichtet werden. Jede Form von Landwirtschaft bedeutet das Hemmen und Zurückdrängen von Natur. Bei der Bioreaktorentechnologie wäre dies zwar auch nicht ganz ausgeschlossen, jedoch wesentlich minimiert.

Auch gegenüber pflanzlichen Makroorganismen, die für den Verzehr vernichtet werden, bestehen ethische Bedenken. Auch diese wären durch die Bioreaktorentechnologie weitestgehend hinfällig, da ja zur Zellulosegewinnung lediglich Gras gemäht werden müsste, also regenerative Pflanzenteile würden entnommen, das pflanzliche Individuum würde aber weiterleben, da das Wurzelwerk und ein großer Teil des Grünkörpers erhalten bleiben. Wiesen können ohnehin nur bestehen, wenn sie abgeweidet oder eben gemäht werden, sie stellen ökologisch wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten dar, sorgen für die Regeneration und den Schutz vor UV- Strahlung und Erosion der Böden und schützen das Grundwasser, indem sie die Bodenfeuchte erhalten – gerade bezüglich der zu erwartenden Erderwärmung ein essentieller Vorzug.

Ferner strebe ich als ersten Schritt an, dass die Biofermentertechnologie zunächst die Fleischproduktion und Fischerei ersetzen solle. Obst und Gemüse würden weiter angebaut und vom Handel angeboten werden. Von Generation zu Generation würde die Bioreaktorenproduktion jedoch – da bin ich mir völlig sicher – auch den Anbau von „Nutz“pflanzen überflüssig machen.

Eingedenk der Tatsache, dass bereits heute (in Europa) 70% der landwirtschaftlichen Produkte direkt von der Lebensmittelindustrie denaturiert und verarbeitet werden zu Produkten, die kaum noch etwas mit dem Ausgangsmaterial zu tun haben, können die Bestandteile der Fooddesign- Produkte genauso gut aus Fermentern stammen. Schon heute geht es ja darum, was für Nähr- und Wirkstoffe in einem Lebensmittel enthalten sind, es geht weniger darum, woraus diese Stoffe gewonnen wurden (vgl. Angaben auf den Verpackungen aller Lebensmittel).

Wir haben über Internet weltweit recherchiert und mit völligem Unverständnis festgestellt, dass die Bioreaktorentechnologie bereits in verschiedensten Bereichen entwickelt wird (biologisch abbaubare Reinigungsmittel, Biodiesel, Aromastoffe, Farben, Lacke, Medikamente etc., auch in der Lebensmittelveredelung wie z. B. Käse, Spirituosen, Sauerkraut etc.), jedoch aus unbegreiflichen Gründen nicht bezüglich Nährstoffproduktion. Dies ist ein unverantwortliches Versäumnis, gerade wenn man sich klar macht, dass 1 Mrd. Menschen hungern, also ist es auch anthropozentrisch geboten, diese Technologie endlich zu entwickeln. Es gilt quasi, ein Wiederkäuer- Vormagensystem künstlich nachzubauen, was aus wissenschaftlicher und technischer Sicht kein Problem sein dürfte.

Dies waren zunächst die Argumente für die Ethiker und die Tierschützer speziell – diejenigen Argumente, die ich gegenüber dem EU- Kommissar geltend mache (vor allem ökologische, humanitäre, ökonomische, arbeitsmarktpolitische, gesundheitspolitische, etc.), entnehmt bitte dem Anhang (in Deutsch und Englisch).

Es handelt sich hierbei unfasslicher Weise tatsächlich um eine offensichtlich völlig neue Idee – sollte ich mich irren, was mich sehr erfreuen würde – bitte ich um entsprechende Hinweise. Es ist erforderlich, dass diese Idee breit gestreut wird, auch ins englischsprachige Ausland.

Hätte ich einen vermögenden Sponsor und somit die Mittel, dann würde ich selbst ein Labor einrichten und mir ein paar Wissenschaftler anstellen, die das Verfahren serienreif entwickeln. Mit dieser Idee könnten – und ich übertreibe wirklich nicht – eine ganze Menge Probleme (vor allem ethische) auf der Welt auf einen Schlag in jedweder biophiler Hinsicht gelöst werden.

Wir werden das nun auch der UNO, der FAO, der Bundesregierung offerieren und die Industrie diesbezüglich kontaktieren.

Falls Ihr Ideen, Kontakte o. ä. habt oder sonst wie die Sache unterstützen könnt, so meldet Euch bitte.

Peter H. Arras, 12.08.2010

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